Die Bereicherung einer Reise

Lange Zeit habe ich mir keinen neuen Dinge zugelegt und lange habe ich auch vom bloggen ferngehalten. Als ich vor gut drei Jahren nach Indien gereist bin, hatte ich nicht mehr als einen 25l Rucksack, eigentlich einen Tagesrucksack, bei mir. Meine Intention dahinter: nur mit dem notwendigsten auszukommen. Und das hat sich gut angefühlt. So gut, dass ich auch danach nichts daran ändern wollte und lieber Dinge, die ich bei meiner Familie untergebracht hatte, loswerden wollte, anstatt neue anzuhäufen. Das lag zum einen an dem guten Gefühl des "wenig Besitzen" und zum anderen an neuen Überzeugungen, die während meiner Reise entstanden sind. Dinge, zu denen ich früher keinen Bezug hatte und mit denen ich mich, aus dem Gefühl heraus, dass sie mich nicht beträfen, nie auseinander gesetzt hatte. In den neun Monaten, in denen ich Unterwegs war und die Welt mit neuen Augen zu sehen gelernt habe, habe ich ein anderes, wohl auch gesünderes Verhältnis zu Äußerlichkeiten entwickelt. Nach meiner Rückkehr war der Gedanke des massiven Konsums eher ein Graus als eine Freude für mich. Nicht nur von Shoppingtouren auch vom Schminken habe ich eine lange Zeit Abstand genommen. Ich habe auf dieser Reise gelernt, dass mein Aussehen nicht über mein inneres Wohlbefinden entscheidet und ich nicht abhängig von Dingen wie Kleidung oder Schminke bin. Und dass es ganze andere Dinge sind die mir wirkliches Wohlbefinden geben. Das soll nicht bedeuteten, dass ich mich früher einzig und allein über mein Aussehen und Kleidung definiert habe, sondern eher dass ich dem Ganzen einen anderen Stellenwert gegeben habe als es vielleicht immer gut für mich gewesen ist. Irgendwann war ich einem Punkt angelangt (und vielleicht geht es da manch einem von euch ähnlich), dass ich niemals ohne Schminke aus dem Haus gegangen wäre. Das war nichts worauf ich stolz war, sondern mich eher störte.

Nach mehr als drei Jahren der "Abstinenz" habe ich langsam begonnen mich wieder mit dem Thema Mode auseinanderzusetzen. Zu dieser Zeit habe ich Kleiderkreisel für mich entdeckt und bin absolut begeistert. Leider lassen sich aber auch Käufe bei den gängigen Ketten wie H&M und Zara, deren Arbeitsbedingungen miserabel und deren Stoffe oft voller Chemie stecken, nicht vollends vermeiden, wenn man nicht wie ein Trutchen aussehen möchte. Der Nachhaltigkeit und Moral wegen, versuche ich mich dort auf das nötigste zu beschränken und wenn möglich Dinge bei Kleiderkreisel, Ebay oder auf Flohmärkten zu erstehen. Nach den Erfahrungen meiner Reise fällt es mir aber deutlich leichter, unnötigem Konsum und Frustrationskäufen (meist um irgendetwas zu kompensieren), aus dem Weg zu gehen. Ich möchte mir keine Dinge kaufen, nur um bei einem Trend dabei zu sein, neue ausgefallene Bilder posten zu können oder um mich besser zu fühlen.
Kleidungsstücke, für die wir uns tagtäglich auf neue entscheiden, spiegeln unser inneres Befinden / unsere Stimmung wider, mit dem wir am Morgen in den Tag starten. Beeinflusst von zuvor erfahrenen Assoziationen & Inspirationen. In diesem Sinne ist Kleidung für mich Ausdruck des Inneren. Eine Form des persönlichen Ausdrucks, die ich nicht mehr missen möchte. Aber es tat mir gut, dies für eine gewisse Zeit getan zu haben. Wohl auch um die Wertigkeit des Ganzen für mich genauer zu hinterfragen und zu verstehen. Ich habe begriffen, das Kleidung ein Ausdruck meiner Kreativität ist, die ständig in Bewegung ist, immer neu entdeckt und in verschiedensten Formen ausgelebt werden möchte.


Rock - Ebay / Schmuck - Indien / Hose - Zara

Kommentare

  1. Das klingt sehr gut!:)
    Würdest Du vielleicht mal detailliert von Deinen großen Reisen erzählen? Also die, die Du alleine unternommen hast... Das würde mich echt interessieren....

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    1. Mache ich gerne mal. Waren aber nicht viele :) Wenn du ein bisschen durch mein Archiv stöberst findest du auch ein paar Posts zu meiner Asienreise. Aber es werden auch noch welche folgen!

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  2. Du bist wirklich die Süßeste. Ich bin wirklich froh, dass ich Deinen Blog schon vor langer langer Zeit entdeckt habe.

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  3. Das klingt so reinigend, dass ich wieder einmal mit dem Gedanken spiele meinen Kleiderschrank auszuräumen und nur das notwendigste zu behalten. Aber so weit bin ich dann doch noch nicht. Ich hoffe trotzdem, dass irgendwann der Moment kommt, an dem ich in meinem Konsumverhalten so bin wie du.

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  4. Ich kenne das auch zu gut.... Wollte selbst auf Dinge achten um der ganzen oberflächlichen (teils!!!) Gesellschaft nicht folgen zu müssen!! Merkte jedoch auch, dass ich mich gerne immer wieder neu kleiden möchte, nicht stehen bleiben und mich somit kreativ ausdrücken kann. Das ganze zieht natürlich spuren mit sich! Das ganze nicht zu übertreiben, bewusster zu Leben, ist aus meiner Sicht trotzdem ein wertvoller Betrag!!
    Ich freu mich auf jeden fall trotzdem über deine tollen Beträge und bin immer ganz gespannt
    Schöne Grüße

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    1. Ja diese Balance zu finden ist wirklich nicht leicht. Ich wünsche mir, dass all die wunderbaren jungen Mädels unserer Generationen da draußen, die Freude an Mode und Nachhaltigkeit haben und sich in die Richtung begeben selbst mal welche zu entwerfen, uns das Ganze in ein paar Jahren ermöglichen. Mode die zeitgemäß ist und gleichzeitig Nachhaltig. Das liegt natürlich nicht nur an denen die es entwerfen, sondern auch an uns, den Konsumenten. Aber ich bin überzeugt, dass wir uns alle auf einem guten Weg befinden.

      Wäre ich vor ein paar Tagen nicht in der Stadt gewesen und hätte mir endlich mal wieder ein paar neue Dinge zugelegt, hätte ich diesen Bericht nicht geschrieben. Ich bin froh, dass ich trotz meiner "Zweifel" losgezogen bin und mich wieder habe inspirieren lassen von all dem was es zur Zeit zu bestaunen und neu auf dem Markt gibt :) Sich komplett aus allem rauszuhalten und alles zu boykottieren macht denke ich auch keinen Sinn. Vor allem nicht für die, die Freude an dieser Ausdrucksform habe. Am Ende tut man sich ja selber keinen gefallen, wenn man etwas, was einem gut tut, sein lässt. Trotzdem sollten wir uns immer vor Augen halten, dass es Anderen nicht sonderlich gut tut. Ach ja, das ist schon irgendwie kompliziert. Wir brauchen einfach einen rießigen Umschwung, und dass nicht nur von der Modebranche und den Konsumenten. Am besten sofort :)

      Lieben Gruß und Danke für deine Worte, schön zu lesen, dass man nicht alleine in diesem Boot sitzt!

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  5. Du hast so recht mit dem was du sagst. Aber ich glaube ich bin einfach zu Mode verrückt, um meinen Konsum noch weiter einzuschränken. Dabei bin ich damit gar nicht so wirklich zufrieden. Aber man lernt ja aus Fehlern und so lange man versucht sein Bestes zu geben, ist das schon ein Schritt in die richtige Richtung.
    Darf man dich fragen wie du deine ganze Reise organisiert hast? Ich fliege nun für 6 Wochen in die USA (ok. nicht mit Indien zu vergleichen), aber so ein Roadtrip ist nicht unbedingt günstig. Wie hast du diese 9 Monate finanziert und was hast du dort so alles gemacht? Nur gereist, oder hast du auch gearbeitet? Mich würde ein Bericht total interessieren. Vielleicht kannst du ja auch einfach mal eine persönliche Nachricht schicken, wenn du das hier nicht so öffentlich machen willst. Ich werde nächstes Jahr mit meinem Master anfangen, falls alles gut geht und habe davor noch etwas Zeit zum Reisen. Ich weiß jedoch nur noch nicht wohin und wie ich das finanzieren soll. Deshalb bin ich so interessiert an deiner Geschichte :)
    Ach übrigens. Die Outfits sehen total toll aus!

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  6. so ein inspirireder Beitrag! Ich finde das wirklich toll, dass es bei dir so gut klappt, echt beneidenswert!
    Wenn ich an meine Thailand Reise letztes Jahr denke, schäme ich mich fast, denn ich hatte einen 50l Rucksack für 2 Monate dabei und hab natürlich viel zu viele Klamotten mitgenommen und auch dort geshoppt! Das war so krank, dass ich mir sogar noch einen kleinen Handgepäck Trolley dort gekauft habe... jetzt ein Jahr später denke ich so : fuck was war da los?! hätte ich weniger Geld für Klamotten ausgegeben, hätte ich beispielsweise noch viel länger dort bleiben können bei meiner Mutter... aber naja, lieber späte Erkenntniss als gar keine! Du hast mich jedenfalls sehr mit deinem Beitrag inspiriert und zum nachdenken bewegt. Und by the way: dein stil ist wirklich toll! <3

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    1. Nimsaj, du Liebe! Danke für deine Worte! - Also ganz so beneidenswert lief es bei mir in den ersten Wochen auch nicht ab. Nach 6 Wochen Indien, kaputten und durchlöcherten Klamotten war Bangkok ein Paradies und da konnte ich mich auch noch nicht zügeln. Meine Freundin und ich haben wie die Wahnsinnigen eingekauft. Natürlich auch viel Mist, weil uns die Stoffqualität so ziemlich egal war. Weiß gar nicht wie ich dass dann alles in den Norden bekommen hab. Habe bis auf ein Lieblingsteile dann am Ende alles im Guesthouse gelassen. Und die Frau des Besitzers hat sich drüber gefreut. Nach diesem "traumatischen" Shoppingerlebniss in Bangkok (ist aber auch nicht leicht da zu widerstehen) hatte ich eindeutig genug von Masseneinkäufen :) Du siehst, auch für mich gab´s erst ne späte Erkenntnis. Hab mich trotzdem noch mal in Laos von Stoffhändlern übers Ohr ziehen lassen. Aber das ist eine andere Geschichte. "fuck was war da los" ging mir danach aber auch durch den Kopf!
      Liebe Grüße und es freut mich, dass du so regelmäßig vorbeischaust!

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  7. Was für ein schöner Post und hübsche Fotos! Du triffst so immer genau die Themen, die mich auch beschäftigen. Dafür Danke! :) Auch für die Inspiration mit 25 Liter! Ich finde die Idee super. Aber wie war es in denn in der Praxis? Kannst du vlt. verraten was du mit hattest und wie es geklappt hat? Ich denke mit Kamera, Kultursachen und nem Handtuch ist man ja schon fast bei 25 Liter. Ich möchte auch bald verreisen und möglichst wenig mitnehmen. Tagesrucksack statt Riesenbackpackrucksack klingt irgendwie verlockend frei. :)
    Lieben Gruß und eine schöne Woche, Anna

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  8. Ein ganz toller Post, der mir aus der Seele spricht und mich inspiriert:-)!

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  9. Und was tut sich so bei der Franziska wenn so ein schönes Wetter ist?? :)

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  10. Beides sehr sehr schöne Outfits die dir super stehen und in denen du aussiehst als würdest du dich wirklich wohlfühlen! Ich habe vor einiger Zeit auch einiges an Orientalischen Stücken mit von Reisen gebracht und liebe sie immer noch sehr. Was du über Reduktion und das richtige Maß im Konsum schreibst spricht mir aus der Seele. Werde mich direkt weiter auf deinem Blog umgucken :)

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