17. November 2017

In Berlin ankommen


Tag 2: 
Ein drückendes weiß liegt über der Stadt. Ich laufe durch graue Straßen und über harten Beton. Die Hauswände versperren den Himmel. Nur noch wenige Blätter tänzeln schwach an den Bäumen.
Ich steige in die U-Bahn. Die Enge erdrückt mich und ich will eigentlich sofort wieder hinaus. Als die Türen sich an meiner Haltestelle endlich öffnen, stolpere ich hinaus. Erwartet vom Lärm der Großstadt, manövriere ich mich durch die Menschenmassen. Die Schritte sind schwer und ich suche mein inneres Gleichgewicht und finde es nicht.
Ich bin sicher, jeder kann meinem Gesicht ablesen, dass ich nicht von hier bin - dass ich mich fremd und klein fühle und überfordert bin. Ich fühle mich falsch hier. Zum Glück trifft kaum ein Blick den meinen. So verharre ich in meiner kleinen Blase, überquere die Straße, laufe an lauten Menschengrüppchen vorbei und erreiche endlich die Haustür. Ich steige die Treppen hinauf und als die Wärme der Wohnung mich empfängt, komme ich zur Ruhe. Hier will ich eintauchen und für den Rest des Abends bleiben.


Tag 4: Kennt ihr diese Tage, an denen ihr sanft aufwacht - dieses gute Gefühl ist einfach so da - und ihr wünscht euch nichts mehr, als es für immer festzuhalten. Und so liege ich da, der Tag dort draußen hat schon begonnen, aber nichts drängt mich. Eingebettet in Sanftheit und Wärme. Es ist so friedlich und ruhig. Ich bin von einem tiefen inneren Glück erfüllt. Ich weiß nicht genau wieso oder woher es kommt aber ich tauche noch weiter hinein und lasse mich von der Leichtigkeit führen.
Heute ist die Welt hell. Und dieses Strahlen trägt mich durch den ganzen Tag. Ich stehe wieder in der U-Bahn, es ist unheimlich voll aber es macht mir nichts aus. Ich sehe in allem eine eigene und zugleich eine alles verbindende Schönheit. Ich möchte dieses warme Gefühl mit den Anderen teilen und suche ihre Blicke. Ich möchte sie auffordern, diese Leichtigkeit zu sehen, zu spüren und anzunehmen. Was wäre das für eine Welt, lebten wir alle in diesem Strahlen, eingebettet in Sanftheit, getragen von unendlicher Leichtigkeit.


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Komme ich an einen neuen Ort, brauche ich Zeit um anzukommen. Es hat einige Jahre gedauert, bist ich das verstanden habe. Und obwohl ich dass inzwischen begriffen habe, werde ich trotzdem immer wieder von dieser Fremdheit und diesem Gefühl - irgendwie neben mir zu stehen - überwältig. Ich versuche dann innerlich zur Ruhe zu kommen, manchmal gelingt es - aber kontrollieren kann ich es nicht. Ich stecke dann mittendrin und kann es nicht einmal richtig greifen. Wenn diese Tage vorbei sind, fühle ich mich, als würde nach langer Dunkelheit ein neuer und leichter Tag beginnen. Vergessen ist die Verwirrung und Verlorenheit und ich spüre den Boden intensiver denn je unter meinen Füßen vibrieren.
Und ich dankbar, wieder im Hellen zu wandern.

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